Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt,sondern wer sich selbst dafür hält. (Seneca)



Jamie


Mischling - Hündin

Malinois, Chow-Chow und Australian Cattle Dog

geboren am 1.7.2004
54 cm groß - 22 kg

Auf diesen Seiten möchte ich von einem Hund berichten, der unschuldig geboren wurde und in die Hände von skrupellosen Leuten fiel die ihr fast das Leben genommen haben.



16. April 2005


An diesem Tag war ich eigentlich zum spazieren gehen verabredet. Doch es kam anders. Steph und Ruth waren verhindert und ich überlegte, wo gehe ich heute ne Runde Gassi? Grube 7 war der Entschluss und wir fuhren los. Im Auto befand sich auch eine Plastiktüte fürs Tierheim voll mit Spielzeug, Leinen und Futter. Sachen die sich im Laufe der Monate ansammeln und irgendwie doch nicht gebraucht werden. Wochenlang schon fuhr ich diese spazieren, habe es nie geschafft sie abzugeben. Doch an diesem Samstag war es fest eingeplant. Am Ende des Spaziergangens packte ich die Jungs ins Auto und fuhr Richtung Tierheim. Je näher ich dem Tierheim kam, desto nervöser wurde ich. Eigentlich blödsinnig, wenn man nur etwas abgeben möchte.

So ging ich rein, gab die Tüte ab und entgegen meines Vorhabens ging ich zu den Zwingern der Hunde. Genau das hatte ich selber schon befürchtet, aber manchmal handelt man einfach im Hintergrund ohne Nachzudenken. Ich schaute mir jeden Hund an, las die Namen und jeweiligen Angaben auf den Tafeln. Überall wo Hündin drauf stand ging ich schnell weiter. Nie wieder sollte bei uns eine Hündin einziehen. Alleine schon das ich so dachte als ich die Schilder las, hätte mir doch laut sagen müssen dass ich auf der Suche nach einem weiteren Rudelmitglied war. Der plötzliche Tod von unserer geliebten Maya war noch zu frisch, kaum drei Wochen waren vergangen. Vielleicht war es auch das, was mich dann zu dem einen Zwinger immer wieder hingehen ließ, obwohl dort Hündin drauf stand. Aber da lag etwas braunes struppiges völlig apathisch auf der Erde. Alle anderen Hunde bellten oder jaulten, aber dieser Zwinger war unheimlich still. Ich sprach sie an und sie reagierte, mit einem blau überwuchertem Auge stierte sie in meine Richtung. Dieser Anblick ließ mich nicht los. Durch die Gitter streichelte ich ihr Fell. Es war so spröde und aus dem Häufchen Hund strahlte kein bisschen Leben aus. Lange Zeit blieb ich dort sitzen, meine Gedanken rasten hin und her. Ich fasste mir ein Herz und fragte bei dem Tierheim Personal nach was mit dem Hund los ist. Sie bestätigten mir dass Daisy, so hieß sie, vollkommen blind ist. So fuhr ich wieder nach Hause, mitsamt den Jungs und war froh dass ihnen das Schicksal im Tierheim zu sitzen erspart bleibt.

nach oben

19. April 2005


Der Gedanke an Daisy formte am Sonntag in meinem Kopf seltsame Gedanken. Letztendlich kam ich zu dem Schluß dass ich sie mal zum spazieren ausführen könnte. Montags rief ich direkt früh morgens dort an und durfte Dienstag vorbeikommen und sie zum Spaziergang mitnehmen.

Zuerst musste ich aber meine Hunde aus dem Auto holen und mit auf das TH Gelände bringen, damit man sehen konnte dass sie sich mit Jamie vertragen und sie kurz im allgemeinen begutachten. Meine Jungs waren wie immer ganz lieb und so konnten wir dann mit Jamie losgehen. Dieser kurze Spaziergang war für mich die Hölle auf Erden. Ich wollte doch nur mit ihr spazieren gehen. Doch als ich mit Jamie und den Jungs loszog war es um mich geschehen. Den "Blick" von Jamie an dem Tag werde ich nie vergessen.

Sie konnte kaum laufen, stieß überall gegen und liebte meine Jungs von der ersten Sekunde an. Sie hieß im TH damals noch Daisy, auf dem Spaziergang jedoch kam mir immer wieder der Name Jamie ins Gedächtnis. Ich rief meinen Freund an und weinte ins Telefon. Insgeheim erwartete ich dass er mir sagte, na los bring sie mit. Das tat er natürlich nicht. Er kennt mich und weiß dass ich am liebsten jeden Hund der kein Heim hat aufnehmen würde. Bis dahin hatte er Jamie ja noch nicht gesehen. So brachte ich die kleine Maus wieder ins TH und unterhielt mich noch etwas mit den Leuten dort. Viel über Jamie konnte man mir nicht sagen, nur dass sie aus schlechter Haltung freigekauft wurde.

Mitsamt den Jungs fuhr ich wieder nach Hause. Den ganzen Abend dachte ich nur über Jamie nach. Auch den kommenden Tag, wo ich nachmittags am Rhein saß und meine Hunde beobachtete, Kimba wie er sein Dummy totschüttelte und Aaron der im Wasser nach Steinen tauchte. Ihre Ruten wedelten ohne Unterlaß und ihre Augen strahlten. Da hatte ich die Idee, warum sollte Jamie das nicht auch einmal erleben? So rief ich im Tierheim an und bat sie, dass Jamie von Freitag mittag bis Samstag morgen bei mir bleiben darf. Darüber mussten sie erst beraten und ich erhielt eine halbe Stunde später die Zusage.

nach oben

22. April 2005


So kam es dass ich Jamie Freitags im Tierheim abholte. Zur Sicherheit habe ich meinen Personalausweis dagelassen und meine Telefonnummern. Für Jamie bekam ich ihre Augensalbe mit und dann konnten wir los. Jamie ging bereitwillig mit mir mit und auch im Auto war sie wahnsinnig lieb. Wir fuhren nach an den Rhein bei Neuss. Und dann durfte sie im Wasser planschen so lange sie wollte. Naja, wenn es nach ihr gegangen wäre wären wir noch heute im Wasser. Sie braucht das Wasser wie die Luft zum atmen, das merkte ich sofort.

Gegen 18 Uhr kamen wir zu Hause an und gingen in den Garten. Die Jungs schossen durchs Tor und Jamie wackelte hinterher. Wie selbstverständlich durchstöberte sie den Garten, fand das Spielzeug und legte sich in die Sonne zum schlafen. Auch in der Wohnung fand sie sich auf Anhieb gut zurecht und nach dem Essen schlief sie zufrieden im Körbchen ein.

Nun hatt ich bereits beschlossen Jamie ein zu Hause zu geben. Die Frage war nur, würde das Tierheim auch zustimmen? In meinem Eifer hatte ich daran gar nicht gedacht. Somit musste ich noch den langen Abend und die noch längere Nacht warten bis ich direkt Samstag früh anrufen konnte.

nach oben

23. April 2005


Tausend Tonnen Steine fielen von meinem Herzen als sie mir am Telefon sagten dass ich Jamie behalten darf. Wir fuhren direkt mittags runter um die Formalitäten zu erledigen. Jamie musste mit rein, sie wollten sie natürlich nochmal sehen. Bemerkenswert fand ich Jamie´s zögern, sie begrüßte ihre Leute zwar, aber sie lehnte sich immer wieder an meine Beine. Meine innere Angst war, dass Jamie versucht hätte von mir weg wieder in Richtung ihres Zwingers zu gehen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich niemals Jamie nur für einen Tag aus dem Tierheim geholt hätte um sie dann wieder dort abzugeben. Das hätte den Hund doch nur noch mehr verstört und das wäre kein Tierschutz gewesen. Nein, für Jamie und mich war von Anfang an klar dass wir zusammen gehören und niemand hätte sich uns je in den Weg stellen können.

Ich bekam meinen Personalausweis wieder den ich als Sicherheit am Freitag dagelassen hatte und unterschrieb den Tierschutzvertrag. Ich fragte dann noch was sie an Geld bekommen. Nach meinem Anruf morgens hatte sich der Vorstand beraten und kam zu dem einstimmigen Beschluss dass sie mir Jamie gerne schenken möchten. Das hat mich sehr berührt, zeigt es doch dass sie nur im Sinne der Tiere handeln. Sie sahen für die Kleine niemals eine Chance auf Vermittlung, weil sie blind und behindert ist. Das Geld was damals für Jamie als Freikaufsumme gezahlt wurde gab es von mir dann als allgemeine Spende. So verließen wir dann das Tierheim, mit Jamie an der Seite die zielstrebig zum Auto zog, einstieg und in ihr offizielles neues zu Hause fuhr. Natürlich nicht ohne mich noch einmal bei den netten Leuten vom Tierheim zu bedanken für das was sie für Jamie bis dahin getan haben. Sie gaben ihr alles was nur möglich war, sie durfte immer mit raus und wurde getragen beim Spaziergang da sie nicht lange laufen konnte. Und sie hatte einen kleinen Spielefreund mit dem sie im Hof herumtollen durfte. Noch heute, bis zu unserem Wegzug, bin ich regelmäßig ins Tierheim gefahren um ihnen Jamie zu zeigen, über ihre Fortschritte zu berichten und ein paar von unseren Hundesachen zu spenden die wir nicht mehr brauchen.

Im Namen von Jamie möchte ich dem Tierheim Wuppertal DANKE sagen für die Liebe und Zuwendung die sie Jamie gegeben haben und ihr den ersten Schritt in ihr neues Leben zeigten.